Unsportlich zu sein, ist verpönt. Sportlich zu sein, ist gesellschaftliches Ideal. Wer gar keinen Sport treiben will, gilt schnell als faul. „Runners High“: Das nach intensiver körperlicher Verausgabung eintretende Hochgefühl, kann als sehr befriedigend empfunden werden. In einer dazu noch leistungsverherrlichenden Umgebung ist es kein Wunder, wenn nicht wenige Leute süchtig nach sportlicher Betätigung sind.
Exzessives oder pathologisches Sporttreiben, wie die Sportsucht auch genannt wird, ist real. Vermutlich ist jede hundertste Person in Deutschland betroffen.
Was ist Sportsucht (Ergomanie)?
Sportsucht ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Exzessives Sporttreiben gehört zu den nichtstofflichen (substanzungebundenen) Abhängigkeiten.
Woher weiß ich, ob ich Sportsüchtig bin?
Wenn du nicht darunter leidest, dir der Sport gut tut und dich fördert, dann ist alles in Ordnung. Leidest du allerdings an mehreren der Symptome, die ich oben aufgezählt habe, ohne irgendwie vom Sport zu profitieren, dann könnte dein Sporttreiben zwanghafter Natur sein.
Sport als Substitutionsmittel
Exzessives Sporttreiben kann als Substitut für andere, gesellschaftlich, beruflich und persönlich schädliche Verhaltensweisen dienen. Es mag für viele hilfreich sein,
So ist es nicht selten, dass ehemalige Drogenabhängige oder Alkoholkranke zu Beginn ihres Lebenswandels mit Sport anfangen. Ist die zum Exzess, zur Genusssucht und zur Flucht neigende Tendenz nicht ausreichend gebändigt, kann das Training anstelle des Suchtmittels treten.
Bleibt das Urproblem, die Ursache unbehoben, besteht die Gefahr eines Rückfalls, sollte man eines Tages keinen Sport mehr treiben können.
Wenn auch der Ruf von Sportsüchtigen in der Gesellschaft besser und das Ansehen höher sein mag als von Drogenabhängigen oder Alkoholabhängigen, so ist exzessives, zwanghaftes Sporttreiben den Betroffenen nicht nur Quelle von Leidens- und Leistungsdruck, sondern auch potentieller Katalysator für physische Schäden. Sportsucht ist real und sollte ernst genommen werden.
Was kann man tun?
Abhängig davon, wie fortgeschritten, gravierend oder gering das Suchtproblem ist, kann Therapie in Anspruch genommen oder können Betroffene aus eigener Kraft einen Ausweg, statt eines Ersatzes, finden.
Sportsucht: Symptome (Ergomanie)
Sportsucht ist keine eigenständige oder anerkannte medizinische Diagnose, könnte aber unter die substanzungebundenen Abhängigkeiten fallen. Es wird vorausgesetzt, dass keine Wettkampfambitionen oder ähnliche, andersartige Gründe für das exzessive Sporttreiben vorliegen. Es tritt gehäuft im Zusammenhang mit Körperdysmorphophobie (Muskelsucht), Bulimie und Anorexia athletica auf.
An den folgenden Symptomen lässt sich Sportsucht leicht erkennen:
Exzessives Sporttreiben
Betroffene erhöhen das Trainingspensum auf ein Maß, das unzuträglich erscheint oder (gesundheitlichen) Schaden verursacht
Starkes Verlangen nach Euphorie
„Runners High“ bezeichnet das nach ausgiebigem Sporttreiben eintretende Hochgefühl. Bei zunehmender Toleranz steigt die Schwelle, die im Training überschritten werden muss, damit ein euphorischer Zustand eintritt. Womöglich wird die Intensität des Trainings erhöht, um dem entgegenzuwirken.
Trainingszwang
Trainieren betroffene nicht, verursacht es unter Umständen Störungen im Alltag.
Entzugserscheinungen
Bleiben Betroffene dem Sport fern, beispielsweise weil das Studio geschlossen hat, können Schuldgefühle, eine depressive Verstimmung, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen auftreten. Sportsüchtige können sich unruhig, angespannt oder gereizt fühlen und sogar Einschlafstörungen entwickeln.
Verletzungen werden ignoriert
Sportsüchtige neigen dazu, auch zu trainieren, wenn sie verletzt sind.
Fazit
Sport ist nicht das wichtigste auf der Welt und nicht das wichtigste im Leben. Viele kompensieren aber mit dem Sport, was andere durch Drogenkonsum unterdrücken: Angst, Depression, Minderwertigkeitsgefühle. Solange dir der Sport gut tut, deinen Alltag erleichtert, dich stärker und resilienter macht ist doch alles im Lot.




